Die Gesundheitsbranche nimmt eine signifikante Bedeutung für die gesamte deutsche Wirtschaft ein. Mittlerweile ist jeder sechste Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt und jeder fünfte Euro Bruttowertschöpfung wird in der Gesundheitswirtschaft generiert.

Dieser Sektor erzielt seit Jahren im Vergleich zur deutschen Gesamtwirtschaft eine überdurchschnittliche Wachstumsrate. Die Branche nimmt somit eine beachtliche Rolle in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ein und beeinflusst auch die zentralen wirtschaftspolitischen Ziele in Deutschland.

Dabei ist es besonders spannend einen Blick auf die dynamische Entwicklung in der Medizintechnologie zu werfen, die sogenannte MedTech Branche. Die innovative MedTech Branche ist ein starker Wirtschaftsbereich basierend auf ingenieurwissenschaftlicher Fachrichtung.

Dieser Wirtschaftszweig beschäftigt sich mit der Entwicklung, Herstellung und Optimierung von medizintechnischen Produkten, Geräten und Verfahren zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten. Ingenieure und Medizintechniker vereinen ihr Wissen aus der Naturwissenschaft und der Technik, um mit Hilfe der medizinischen Fachkenntnis von Ärzten die erwähnten Produkte herzustellen.

In diesem Artikel möchten wir die breit gefächerte MedTech Thematik in ausgewählten Bereichen näher beleuchten.

Medizintechnik, Medtech als Innovationstreiber

MedTech Produkte und Verfahren

Es gibt zahlreiche medizinische Produkte und Verfahren, welche unter anderem in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen eingesetzt werden. Laut Schätzungen des Gesundheitsministeriums existieren ca. 400.000 verschiedene Medizinprodukte. Diese sind zum Beispiel:

  • Sauerstoffmonitore
  • Dialysegeräte
  • Insulinpumpen
  • elektrische OP-Tische
  • chirurgische Instrumente
  • Geräte für Implantate
  • Verbandmittel
  • Labordiagnostika

Nach Definition des Medizinproduktegesetzes (§ 3 MPG) sind medizinische Produkte „alle einzeln oder miteinander verbunden verwendeten Instrumente, Apparate, Vorrichtungen, Software, Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen oder andere Gegenstände einschließlich der vom Hersteller speziell zur Anwendung für diagnostische oder therapeutische Zwecke bestimmten und für ein einwandfreies Funktionieren des Medizinproduktes eingesetzten Software“.

Durch die bereits erfolgreich entwickelten Produkte in der Medizintechnologie können mittlerweile faszinierende Heilungen erzielt werden.

Zum Beispiel kann mit kardiologischen Implantaten der Rhythmus von schwachen Herzen stabilisiert werden. In der refraktiven Chirurgie stellen künstliche Linsen die Sehfähigkeit wieder her. In kranken Gelenken wird durch die Endoprothetik erneut schmerzfreie Beweglichkeit hervorgebracht. Taube Menschen können durch moderne Geräte wieder hören.

Aktuelle Entwicklungen beschäftigen sich unter anderem mit Akuteinheiten (Stoke Units) zur eiligen Behandlung von Schlaganfall Patienten oder mit Spezialkameras (Multispektrale Fluoreszenz-Kameras), welche Tumore während einer Operation sichtbar machen.

Die MedTech Produkte haben einen recht kurzen Produktlebenszyklus. Rund 50% des gesamten Umsatzes aus der Branche wird von Geräten und Verfahren geschaffen, die maximal drei Jahre alt sind.

Der Innovationscharakter hat daher eine zentrale Bedeutung in diesem Wirtschaftszweig und die Unternehmen investieren vorrangig in die Entwicklung neuer Produkte als in die Produktion sogenannter „Me-too Produkte“, welche auf bereits etablierten Geräten basieren. Weiterhin stellt die Qualität der meist sehr komplexen Technologien ein fundamentales Element des Erfolges dar.

Die Einhaltung von Hygiene- und Sicherheitsstandards ist dabei obligatorisch, um das Risiko von Infizierungen von Patienten, Ärzten oder Pflegepersonal gering zu halten. Alle Geräte müssen eine kontinuierliche Zuverlässigkeit und gute Funktionalität aufweisen.

Die effiziente Gesundheitsversorgung des Volkes wird durch die Produkte der MedTech Branche wesentlich unterstützt und stellt gleichzeitig einen wichtigen Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsfaktor dar.

Laut dem MedTech – Branchenbericht (Stand: 9. Mai 2019) vom BVMed (Bundesverband Medizintechnologie e.V.) lag der Gesamtumsatz der deutschen MedTech-Branche bei 29,9 Milliarden Euro in 2017, wobei die Exportquote circa 64% betrug.

Deutsche MedTech Unternehmen exportieren mit 51% aller Ausfuhren vorrangig in europäische Länder. Die USA als wichtigstes Zielland stellt jedoch weiterhin eine große Nachfrage, weshalb 19% der Exporte nach Nordamerika gehen und Asien aufgrund der steigenden Nachfrage seitens China mittlerweile 18,6% erhält.

Innovative medizinische Technologien liefern folglich drei prägnante Nutzen:

  • Heilung und Verbesserung der Lebensqualität von Patienten
  • Reduzierte Krankheitstage durch optimierte, medizinische Prozesse und damit einhergehende Vorteile für Beitragszahler
  • Steigerung der Exportfähigkeit und Schaffung von Arbeitsplätzen

Der MedTech Arbeitsmarkt

  • Dynamisch
  • Mittelständisch
  • Wachstumsstark

Die MedTech Branche besteht größtenteils aus Mittelständischen Unternehmen. Es existieren viele Kleinunternehmen und Start-ups, wobei zahlreiche davon weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen.

Laut BV-Med beschäftigen nur 84 Medizintechnik – Unternehmen von circa 12.300 mehr als 250 Mitarbeiter. 93% aller MedTech Unternehmungen beschäftigen weniger als 250 Angestellte, wobei circa 11.000 davon Kleinstunternehmungen mit weniger als 20 Mitarbeitern sind. Rund 15% davon (Tendenz steigend) arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung.

Allerdings tritt auch der Bereich der Zulassungsfragen immer mehr in den Fokus, da der Patenterwerb und die Markteinführung immer komplexer werden.

Die berufsspezifische Arbeitslosenquote ist im Vergleich sehr gering und liegt unter 2%. Die Nachfrage nimmt kontinuierlich zu, sodass 2017 rund 5.000 Stellen bei der Bundesanstalt für Arbeit gemeldet waren. Insbesondere die Bereiche der Hörgeräteakustik, der Reha- und Orthopädietechnik weisen eine Fachkräftemangel auf.

Die MedTech Unternehmen suchen vorrangig Ingenieure mit einem akademischen Abschluss in Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Physik. Eine Kombination aus fundierten Fachkenntnissen aus zuvor genannten Bereichen und speziell erworbenes Wissen im Bereich Medizintechnik ist gefragt.

Die Bruttoeinstiegsgehälter liegen zwischen 40.000 und 50.000 Euro pro Jahr und erhöhen sich in der Regel schnell in den ersten Jahren.

Durch ausgezeichnete Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten sind die Berufsaussichten sehr attraktiv. Vor allem durch die zunehmende Internationalisierung der MedTech Unternehmen lassen sich Gehaltentwicklungen positiv prognostizieren.

Wirtschaftliche Situation der MedTec Branche (Herbst 2018)

In einer Umfrage vom BVMed bei seinen 225 Mitgliedsunternehmen haben 110 MedTech Unternehmen teilgenommen und sich zu verschiedenen Thematiken bezüglich ihrer wirtschaftlichen Lage geäußert.

Darunter waren vorrangig die größeren Medizintechnik Hersteller aus Deutschland und den USA vertreten, wobei 61% der Umfrageteilnehmer ihren Hauptsitz in Deutschland haben und 19% in den USA. Insgesamt waren es 68% Hersteller, 22% Distributoren, 6% sonstige Leistungserbringer und 4% Zulieferer bzw Vorlieferanten. Die wichtigsten Ergebnisse waren laut BVMed:

  • Das Umsatzwachstum liegt bei den MedTech Unternehmen weltweit bei 6% im Schnitt. Wobei die Gewinnsituation von deutschen Unternehmen durch steigende Kosten und fallende Preise angespannt ist.
  • Die neue Medizinprodukte – Verordnung (MDR) bereitet den Unternehmen Sorge hinsichtlich künftiger Entwicklung der MedTech Branche, da diese gestiegene Anforderungen und erhöhte Preise aufruft. 2/3 der Unternehmen befürchten, dass Produkte aus ökonomischen Gründen nicht auf den Markt gebracht werden können bzw dem Markt entnommen werden müssen.
  • Eine stärkere Beteiligung der Gesundheitspolitik an MedTech – Bewertungsverfahren, größere Transparenz bei G-BA-Prozessen und zügigere Bewertungsprozesse wünschen sich die MedTech Unternehmen.
  • Die MedTech Branche weist trotz aller Schwierigkeiten ein Wachstum an Arbeitsplätzen auf. 51% der MedTech Unternehmen haben zusätzliche Arbeitsstellen im Vergleich zum Vorjahr etabliert.
  • Der aktuelle Integrationsstand von Digitalisierung lässt nur 41% der teilnehmenden Unternehmen sich davon „stark betroffen“ fühlen.

Die fünf umsatzstärksten MedTech Unternehmen weltweit (2016)

  • Medtronic (29,7 Mrd. $)
  • Johnson & Johnson (25,1 Mrd. $)
  • Siemens (15 Mrd. $)
  • Philips (13,1 Mrd. $)
  • Roche (11,6 Mrd. $)

Medtronic als umsatzstärkster Global Player existiert seit 45 Jahren und hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von dentalmedizinischen Instrumentenschläuchen und Ersatzteilen ausgerichtet. Aktuell arbeiten für Medtronic Angestellte in über 160 Ländern und in mehr als 370 Standorten.

Johnson & Johnson etabliert sich bereits seit 1886 mit einem breitgefächerten Produktportfolio. In Deutschland spezialisieren sie sich jedoch auf optimierte Lösungen für die Allgemeinchirurgie, Gynäkologie, Wundverschluss, minimal-invasive Verfahren sowie für die metabolische Chirurgie. Weltweit beschäftigt das Unternehmen mehr als 130.000 Angestellte.

Siemens hingegen hat seinen Fokus auf die Entwicklung von medizinischen Geräten im Bereich Labordiagnostik, medizinische Bildgebung und Point-of-Care Diagnostik gelegt. Seit nun über 170 Jahren forscht und produziert Siemens mit inzwischen rund 379.000 Mitarbeitern.

Philips hat sich primär im Bereich der Ultraschallgeräte und im Patient Monitoring niedergelassen, wobei sich das Produkt Portfolio in die drei Segmente einteilen lässt: Patientenüberwachung und Reanimation, X-Ray und Ultraschall. Zwar ist Philips weltweit in über 100 Ländern vertreten, wobei der DACH Markt mit circa 5.130 Angestellten der größte und umsatzstärkste nach China und den USA ist.

Roche konzentriert sich seit 1968 auf die Ausarbeitung neuer diagnostischer Tests sowie die Entwicklung von Geräten zur automatischen Durchführung von Analysen. Mittlerweile haben sie über 94.000 Mitarbeiter, welche weltweit in 150 Ländern arbeiten.

MedTech Forschungsgebiete der vergangenen Jahre

Die Forschung und Entwicklung stellt die Grundlage von medizintechnischen Innovationsprozessen dar. Nachhaltiges und wirtschaftliches Wachstum und die Beschäftigung in der Medizintechnikindustrie setzt somit förderliche Innovationsrahmenbedingungen voraus. Vor allem gilt dies in einer exportorientierten Industrie wie der MedTech Branche, welche sich im internationalen Wettbewerb in Qualität und in technologischer Überlegenheit behaupten muss.

  • Biologisierung
  • Computerisierung
  • Personalisierung
  • Vernetzung

Die Kombination von biologischen und technischen Elementen findet in der Biologisierung statt. Hier werden zum Beispiel „Bioimplantate“ wie Gefäß- und Knorpelimplantate entwickelt. Das Ziel dahinter ist die nachhaltige Entwicklung regenerativer Therapieverfahren und Produkte.

In der Computerisierung geht es vorrangig darum Kommunikations- und Informationstechnik in medizinische Systeme zu integrieren. Beispiele dafür stellen die Telemedizin, digitale Hörgeräte oder die Computertomographie dar.

In der Personalisierung wird geforscht wie die Behandlung für jeden Patienten individuell verbessert werden kann, indem die einzelnen Behandlungskomponenten bzw. medizinische Geräte und Systeme, die im Zuge des Krankheitsverlaufs zum Einsatz kommen, aufeinander abgestimmt werden. Ein gutes Beispiel dafür sind Theranostische Implantate, bei welchen die Diagnostik mit der darauf abgestimmten Therapie unmittelbar verbunden ist.

Die Vernetzung beschäftigt sich mit der informationstechnischen Eingliederung von medizinischen Produkten in existierende Kommunikations- und Datennetzwerke. Dies wird unter anderem im Operationssaal bei der Vernetzung unterschiedlicher technischer Geräte genutzt.

Prognose von MedTech Innovationstrends 

Damit Menschen weiterhin von fortschrittlichen Medizintechnologien profitieren können, gilt es die Forschung in weiteren Gebieten voranzutreiben. BV Med hat drei übergeordnete Trends in der aktuellen Forschung identifiziert:

  • Miniaturisierung
  • Molekularisierung
  • Digitalisierung

Die Verkleinerung von technischen Komponenten und Systemen wie tragbare Sensorsysteme zur Überwachung von Vitalparametern oder Instrumente für die minimalinvasive Chirurgie (bildgeführt, katheterbasiert, endoskopisch) werden innerhalb der Miniaturisierung vorgenommen. Durch die Einwirkung von Nanotechnologie, optische Technologie und Mikrosystemtechnik funktionieren bereits implantierbare Mikrosysteme (passiv oder aktiv) telemetrisch, sensorisch oder mit Nervenkopplung.

Die Molekularisierung, beschäftigt sich mit der Biotechnologie, Zell- und Gewebetechnik. Speziell die Forschung in Zell- und Gewebetechnik soll, sobald sie zum Einsatz kommt, die regenerative Medizin revolutionieren. Aber auch die Herstellung von modernen, funktionellen Biomaterialien stehen aktuell im Trend der Forschung. Diese sollen mit besseren biomimetischen Eigenschaften zu einer verbesserten Integration und Zellbesiedlung im Körper führen.

Nicht zu Letzt aufgrund der wachsenden Menge an Patientendaten nimmt die Digitalisierung wohl eine der prägnantesten Positionen hinsichtlich dem medizintechnischen Fortschritt ein. Aber auch die generierten Daten bei computerunterstützten technischen Geräten wie im Fall Sensor ausgestatteter Implantate werden kontinuierlich verbessert und liefern bedeutende Informationen für Arzt und Patient.

Die informationstechnische Integration der Daten sowie die effektive Aufbereitung dieser sind dabei entscheidend. Der Einsatz von mobilen Endgeräten und Cloud Computing ermöglicht eine Erweiterung der Gesundheitsstandorte, an welchen basierend auf den Daten medizinische Diagnosen und ein Therapie Entschluss gefasst werden kann.

BigData Anwendungen, Telemedizin, eHealth und Telemonitoring werden zu einem enormen Umbruch in der Gesundheitsbranche führen. Basierend darauf streben einige Entwicklungen hin zur internationalen elektronischen Patientenakte, welche den bestmöglichen Nutzen für Patienten fokussiert.

Verbunden damit wird als weiterer revolutionärer Schritt in der MedTech Branche die Entwicklung und Anwendung von Künstlichen Intelligenzen aller Voraussicht kommen. Die Vision hierbei ist es durch Algorithmen eine intelligente Datenanalyse zu betreiben. Eine Datenanalyse, die kontinuierlich und eigenständig dazulernt, wodurch Krankheiten gegebenenfalls früher erkannt sowie behandelt werden können und letztlich zu einer besseren Lebensqualität führen.

Fazit

Die MedTech Branche ist aus dem Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil, sie nimmt signifikant an Bedeutung zu. Diagnosen und Behandlungen können einfacher und effizienter erfolgen. Aufgrund der schnellen technischen Weiterentwicklung wird die medizintechnische Innovation rasant vorangetrieben.

Kurze Entwicklungs- sowie Produktzyklen und damit einhergehende hohe Bereitschaften innerhalb der MedTech Branche in Forschung und Entwicklung zu investieren sollten nicht von langwierigen Markteinführungsprozessen aufgehalten werden. Mögliche Fast Track – Verfahren für digitale Medizin sowie spezielle Bewertungsverfahren für fortschrittliche Medizintechnologien könnten Probleme von langwierigen Verwaltungsprozessen vorbeugen.

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