Jedes Jahr erstellt die Bundesärztekammer einen Jahresrückblick mit ausführlichen Statistiken zur aktuellen Arbeitssituation deutscher Ärzte sowie deren Entwicklung der vergangenen Jahre. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die Ergebnisse der Ärztestatistik im Detail vor.

Aber vorerst, was ist eigentlich die Bundesärztekammer? Wer sind ihre Mitglieder und welche Aufgabe hat sie?

Die Bundesärztekammer (BÄK) nimmt den Spitzenplatz aller ärztlichen Selbstverwaltungsorganisationen ein. Sie ist die Arbeitsgemeinschaft der 17 deutschen Ärztekammern und damit ein organisatorischer Zusammenschluss von Körperschaften öffentlichen Rechts. Die BÄK selbst ist jedoch keine eigenständige Körperschaft, sondern ein nichteingetragener Verein.

Ihre Hauptaufgabe ist die Vertretung der berufspolitischen Interessen aller Ärzte und Ärztinnen in Deutschland. Dabei nimmt die BÄK aktiv Einfluss auf die Bildung der gesundheitspolitischen Meinung innerhalb der Gesellschaft indem sie Perspektiven für eine bürgernahe und verantwortungsbewusste Gesundheits- und Sozialpolitik entwickelt.

Aktuelle Ärztestatistik

Ärzte im Krankenhaus

Im Rahmen ihrer Unterstützung der Ärztekammern übernimmt die BÄK teils gesetzliche Aufgaben wie zum Beispiel innerhalb der Qualitätssicherung oder in der Transplantationsgesetzgebung.

Die einzelnen Ärzte sind keine direkten Mitglieder der BAK, sondern gehören dieser nur durch ihre Pflichtmitgliedschaft innerhalb der jeweiligen Ärztekammer an.

Der einzelne Arzt gehört der BÄK lediglich durch die Pflichtmitgliedschaft in seiner Ärztekammer an. Die Bundesärztekammer selbst ist wie erwähnt keine Körperschaft, sondern ein nichteingetragener Verein.

Struktur der Ärzteschaft

Zu Ende 2018 gab es circa 515.000 Humanmediziner in Deutschland, wovon rund 392.000 als Ärztinnen und Ärzte berufstätig waren. Die restlichen 123.000 befanden sich im Ruhestand oder sind keiner ärztlichen Tätigkeit nachgegangen.

Von den berufstätigen Ärzten waren circa 51%, in einem stationären Betrieb tätig. Das heißt der Großteil befand sich in einem Angestellten Verhältnis in Unikliniken, städtischen Krankenhäusern oder sonstigen stationären Einrichtungen. Davon waren wiederum nur knapp 8% in leitenden Positionen angestellt und dementsprechend 92% in nichtleitenden.

Ein durchaus nennenswerter Anteil von 40% aller Ärzte arbeitete im ambulanten Bereich wie zum Beispiel niedergelassenen Arztpraxen, aber auch anderen ambulanten, medizinischen Pflegeeinrichtungen. Ein beträchtlicher Anteil von 75% war hierbei selbstständig als niedergelassener Arzt tätig. Nur 25% Humanmediziner befanden sich dabei in einem angestellten Verhältnis.

Die restlichen Ärzte waren entweder in einer Behörde bzw. Körperschaft (2,5%) tätig oder übten den Beruf des Arztes in sonstigen Branchen (5%) aus.

In unserem Artikel „Ärzte Jobs – verschiedenste Arbeitgeber in der Humanmedizin“ finden Sie detaillierte Informationen zu den klassischen als auch alternativen Arbeitgebern von Ärzten.

Arztdichte in Deutschland

In 2018 kamen durchschnittlich auf 1.000 Einwohner knapp 4,7 Ärzte bzw. betreute ein Arzt im Schnitt 211 Einwohner. Damit liegt Deutschland im oberen Drittel im Vergleich mit den OECD Ländern. Der Durchschnitt ist jedoch aufgrund der ausgeprägten Verteilungsproblematiken zwischen ländlichen und städtischen Gebieten sowie zwischen Ost und West kritisch zu betrachten.

Wo ein Arzt in Hamburg circa 137 Einwohner betreute, so musste ein Arzt in Niedersachen für rund 242 Einwohner zur Stelle sein. Bremen, Berlin und Saarland zeigten ebenfalls eine hohe Ärztedichte von unter 200 Einwohnern pro Arzt auf.

Dicht gefolgt von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern, welche immerhin 200 – 220 Einwohner pro Arzt aufwiesen.

Hingegen betreute ein Arzt 220 – 240 Einwohner in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen. In Brandenburg und wie im bereits erwähnten Niedersachsen waren es dann auch schon mehr als 240 Einwohner pro praktizierenden Arzt.

Selbstverständlich spielen weitere Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Infrastruktur und Demographie in den einzelnen Bundesländern eine wichtige Rolle zur Beurteilung dieser Verhältnisse.

Laut einem Faktencheck der Bertelsmann Stiftung leben nur 25% der Deutschen in Großstädten, aber die Bedarfsplanung der ärztlichen Selbstverwaltung aus 2013 sieht mehr als 30% der Arztsitze einer fundierten Auswahl an Facharztgruppen eben genau dort vor, in den Großstädten.

Im Zuge des genannten Faktenchecks wurde mit einem eigens entwickelten Bedarfsindex die geplante Ärztedichte verglichen. Dieser Bedarfsindex wurde basierend auf Daten des statistischen Bundesamtes mit folgenden Indikatoren erstellt:

  • Altersstruktur
  • Geschlecht
  • Arbeitslosenquote
  • Haushaltseinkommen
  • Zahl der Pflegebedürftigen
  • Sterberate

Die Studien der Bertelsmann Stiftung zeigen drastische Bedarfsunterschiede auf. Beispielsweise zeigt die detaillierte Betrachtung von geplanter und benötigter Arztdichte der drei Facharztgebiete Orthopädie, Frauen- und Kinderärzte auf den folgenden Abbildungen ein deutliches Ost-West-Gefälle auf.

Wobei in Westdeutschland, besonders im Süden das Ärzteangebot überproportional hoch ist, zeigt sich im Osten eine wesentlich niedrigere Ärztedichte.

Von links nach rechts: Frauenarzt Dichte, Kinderarzt Dichte, Orthopädie Dichte

Übersicht zu ausgewählten Ärztedichten

Berufstätige Ärzte und Ärztinnen aufgeteilt nach Arztgruppen

Von den insgesamt 392.402 Ärzten waren knapp 30% ohne Gebietsbezeichnung. Die drei größten Fachgebiete fielen auf die Bereiche der Inneren Medizin mit rund 29%, der Allgemeinmedizin mit rund 14% und schließlich der Chirurgie mit immerhin 11%.

Knapp 4 – 6% aller Ärzte haben sich in 2018 auf die Fachgebiete Anästhesiologie sowie Frauen- und Geburtsheilkunde spezialisiert. In den Fachgebieten der Kinder- und Jugendmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie als auch Radiologie waren zwischen 2,2 – 3,8% aller Ärzte tätig.

Nur zwischen 1,5 – 1,9% der praktizierenden Humanmediziner waren in Neurologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Urologie oder Haut- und Geschlechtskrankheiten tätig.

Von den rund 392.000 Ärzten in Deutschland waren es insgesamt 67.290 Ärztinnen. Die Verteilung dieser auf die verschiedenen Fachgebiete gestaltete sich ähnlich.

Platz eins und zwei nahmen auch hier die Fachbereiche Allgemeinmedizin und Innere Medizin ein. Allerdings nahm die Frauen- und Geburtsheilkunde bei den Ärztinnen den dritt häufigsten Spezialisierungsbereich ein.

Anteil der Ärzte und Ärztinnen unter 35 Jahren

Betrachtet man die Entwicklung des Anteils der unter 35-jährigen Ärzte in den vergangenen 25 Jahren so stellt man fest, dass die Approbation 1993 – 2005 wesentlich weniger jungen Ärzten unter 35 Jahren verliehen wurde.

Der Anteil an jungen Nachwuchsärzten ging in dieser Zeit kontinuierlich zurück. 1993 waren es 26,6%, sieben Jahre später noch 18,8% und schließlich am Tiefpunkt in 2005 nur noch 15,4%.

Experten sehen den Umstand einer zuvor absolvierten Ausbildung oder sonstige Aktivitäten zur Überbrückung der Wartezeit bis zum Beginn des Studiums als Grund für den Rückgang junger Ärzte.

Weitere Untersuchungen zeigten auf, dass dies auch unter anderem mit der 18 monatigen Phase als „Ärztin / Arzt im Praktikum“ (AiP) im Anschluss an das Medizinstudium zusammenhing. Erst nach dem AiP wurde damals die Approbation für die eigentliche ärztliche Berufstätigkeit erteilt. Das AiP wurde 1987 eingeführt und 2004 wieder abgeschafft.

Seit 2005 stieg der Anteil an unter 35 – jährigen Ärzten wieder langsam an, sodass er im Jahr 2001 bei 17,4% und 2018 schließlich bei 18,9% ankam.

Entwicklung der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte

Die Statistiken der im ambulanten Versorgungsbereich arbeitenden Ärzte zeigen einen kontinuierlichen Anstieg. Bereits 1993 – 2005 haben zwischen 5397 und 8546 Humanmediziner in ambulanten Versorgungseinrichtungen gearbeitet.

Seit 2005 ist ein signifikanter Anstieg festzustellen. In den Jahren 2005 bis 2018 fingen weitere 27.467 Ärzte an in der ambulanten Versorgung zu arbeiten. Dies bedeutet die Anzahl der Ärzte in der Ambulanten Medizin hatte sich in diesem Zeitraum circa vervierfacht.

Darauf aufbauend lässt sich festhalten, dass Deutschland im internationalen Vergleich über ein gut ausgebautes System der ambulanten Versorgung mit hoher Arztdichte verfügt. Besonders die Anzahl an ambulant tätigen Psychotherapeuten und Fachärzten ist beispielslos.

Jedoch wird im Vergleich mit anderen Gesundheitssystemen festgestellt, dass die Bundesrepublik Deutschland zwar einen gutes Gesundheitssystem, aber die vertragsärztlichen Leistungen vergleichsweise zu teuer sind und damit über Effizienzreserven verfügt.

Weiterhin kommt es aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts und dem demographischen Wandel gar schon zu Überschuss an Ärzten in der ambulanten Versorgung. Besonders in Großstadt Gebieten ist dies der Fall. In den ländlichen Gegenden hingegen herrscht oftmals eine Unterversorgung.

Entwicklung der berufstätigen ausländischen Ärztinnen/Ärzte

Immer mehr ausländische Humanmediziner zieht es nach Deutschland. So sind seit 2001 rund 33.000 Ärzte aus dem Ausland zugezogen und arbeiten in Deutschland.

Mittlerweile stammt jeder achte hier praktizierender Mediziner aus einem anderen Land. Das heißt seit 2001 hat sich die Anzahl an ausländischen Ärzten fast verdreifacht. Dabei kommen die meisten aus Rumänien (4164), Syrien (3371) oder Griechenland (2777). Der Großteil an ausländischen Ärzten arbeitet in Kliniken.

Der steigende Bedarf an Patientenversorgung befürwortet den Zuzug an ausländischen Ärzten. Vor allem in ländlichen Gebieten leisten Mediziner aus dem Ausland einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgungsleistung. Politiker warnen jedoch davor, dass die herrschenden Versorgungslücken damit nicht dauerhaft bekämpft werden können.

Abwanderung von Ärzten ins Ausland

Im Gegenzug wandern laut Bundesärztekammer knapp 2.000 Ärzte ins Ausland aus. Die meisten verschlug es dabei seit Jahren in die Schweiz. 641 praktizierende Mediziner sind im Jahr 2017 in die Schweiz gezogen. Ebenfalls beliebte Auswanderungsländer waren Österreich mit 268 und die USA mit 84 ausgewanderten Ärzten.

Allgemein lässt sich aufgrund der attraktiven Verdienstmöglichkeiten in der Schweiz und begründet mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU sehen, dass die meisten Abwanderungen innerhalb Europa stattfanden. Insgesamt waren es rund 5.000 Mediziner, die ins europäische Ausland abgewandert.

Immerhin 125 Ärzte sind nach Amerika abgewandert, 104 nach Asien und nur 37 nach Afrika sowie 38 nach Australien / Ozeanien. Politiker fordern die Abwanderung aufgrund herrschenden Fachkräftemangels aktiv zu bekämpfen.

Es mache keinen Sinn die deutschen Fachkräfte ans Ausland zu verlieren und die vakanten Positionen mit ausländischen Ärzten zu besetzen, sodass dort wiederum Fachkräfte fehlen.

Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit

Die Ärzte in Deutschland praktizieren längst nicht mehr ausschließlich im Rahmen ihrer Ausbildung als Humanmediziner. Insgesamt gab es 2017 über 120.000 Ärzte, die keiner praktizierenden Tätigkeit in der Medizin nachgingen.

Einige Mediziner finden zum Beispiel spannende Anstellungen in der Forschung. Zudem sind Mediziner heutzutage auch im Privatsektor von beispielsweise Pharmaunternehmen oder auch Beratungsfirmen gern gesehene Arbeitskräfte. Die Bundesärztekammer zeigte auf, dass in 2017 über 11.000 aller Ärzte berufsfremd arbeiteten oder aus sonstigen Gründen Beschäftigungen ohne ärztliche Tätigkeit nachgingen.

Die Mehrheit an Humanmedizinern (68,8%) ohne aktive ärztliche Tätigkeit fiel jedoch in 2017 unter die Kategorie Ruhestand. An der Zahl waren es 83.146 Ärzte, die sich im Ruhestand befanden.

Des Weiteren waren insgesamt über 15.000 arbeitslos (7.791) oder befanden sich in der Elternzeit (7.375). Knapp 5.000 aller Mediziner widmeten sich dem Haushalt und nur 245 befanden sich in der Freistellungsphase aufgrund von Altersteilzeit.

Vermutlich wegen erhöhter Lebenshaltungskosten sowie steigendem Bedarf an Leistungen der Gesundheitsversorgung waren in 2017 rund 3.8% weniger Ärzte im Haushalt tätig und sogar 8.6% weniger im Rahmen von Altersteilzeit ohne ärztliche Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr.

Fazit

Die Statistiken der Bundesärztekammer zeigen, dass der Beruf des Arztes nach wie vor attraktiv ist. Die Facharztanerkennungen befinden sich seit 2013 in einem konstanten Wachstum.

Jedoch gibt es Probleme in der regionalen Fachgebietsverteilung und der regionalen Verteilung der Ärzte allgemein. Die nicht bedarfsgerechten Verteilungen zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sowie Ost- und Westdeutschland sind klar zur erkennen.

Weiterhin herrscht im Vergleich ein enormer Zuwachs an ausländischen Fachkräften und dennoch Bedenken hinsichtlich einer nachfrageorientierten Gesundheitsversorgung. Eine fehlerhafte Allokation der Ärzte sowie die steigende Nachfrage aufgrund eines schnellen medizin-technischen Fortschritts rufen die Bedenken hervor.

Nichtsdestotrotz existiert in Deutschland im internationalen Vergleich ein gutes Gesundheitssystem mit einer akzeptablen Ärztedichte.

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